Schwanger nach Chemotherapie: Neue Methode in Aussicht

Mit Hilfe von zuvor entnommenem Eierstockgewebe lässt sich die Fruchtbarkeit einer Frau nach der Krebsbehandlung wiederherstellen (Bildquelle: © Martha Kosthorst – Fotolia.com).
Krebs bzw. die daraus folgende Chemotherapie bedeutet für viele Frauen einen unerfüllten Kinderwunsch, da die empfindlichen Eierstöcke während der Behandlung meist irreparabel beschädigt werden.
Eine
aktuelle Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift
Human Reproduction veröffentlicht wurde, hat nun gezeigt, dass es Sinn machen kann, vor der Chemotherapie Gewebe aus den gesunden Eierstöcken zu entnehmen, dieses einzufrieren und aufzubewahren. Nach der Krebsbehandlung, wenn die Patientin wieder voll und ganz gesund ist, wird der Frau dieses Gewebe wieder eingesetzt.
Die Chancen, nach der Therapie doch noch Kinder zu bekommen, steigt laut Studie durch diese Methode enorm an. Jede dritte Frau hat mit Hilfe der Transplantationsmethode mindestens noch ein Kind bekommen.
Der Vorteil gegenüber eingefrorenen Eizellen ist der, dass keine Vorbehandlung nötig ist, die bei Eizellen meist zehn bis zwölf Tage dauert. Das Gewebe kann hingegen direkt entnommen und die Chemotherapie gestartet werden.
Durchgeführt wurde die Studie an der Universitätsklinik Kopenhagen. Sie wurde erstmalig am 06. Oktober 2015 in einer Online-Variante veröffentlicht.
Zwei Varianten zur Sicherung der Reproduktionsfähigkeit
Aktuell gibt es zwei Varianten, um die Reproduktionsfähigkeit von Frauen nach der Chemotherapie sicherzustellen.
Bei der ersten Variante wird der Frau eine Eizelle entnommen und diese für den späteren Gebrauch eingefroren. Das Problem bei dieser Variante ist jedoch, dass eine Vorbehandlung von zehn bis zwölf Tagen notwendig ist. Diese Zeit hat man allerdings bei einer erkannten Krebserkrankung häufig nicht, da die Chemotherapie so schnell wie möglich gestartet werden muss.
Bei der zweiten Variante wird der Frau entweder ein Teil der Eierstöcke oder ein ganzer Eierstock entfernt und ebenfalls eingefroren. Dieser wird nach der Chemotherapie wieder eingesetzt und soll dafür sorgen, dass die Frau wieder Kinder bekommen kann. Bei dieser Variante ist keine Vorbehandlung von Nöten.
Die zweite Variante ist keine wirklich neue Methode und wird bereits seit einigen Jahren von diversen Ärzten durchgeführt. Neu ist allerdings die Studie über die Erfolgsaussichten der Methode. Zuvor wurde sie eher auf gut Glück durchgeführt, da man bereits wusste, dass sie funktionieren kann. Über genaue Zahlen haben die Experten aber nicht verfügt.
Zahlen, Fakten und Ergebnisse der Studie
Während der Studienzeit wurde vor der Chemotherapie das Eierstockgewebe von 41 dänischen Frauen entnommen und nach der erfolgreichen Behandlung wieder eingesetzt. Von diesen 41 Frauen wollten 32 schwanger werden, wobei das Vorhaben bei zehn Frauen mindestens einmal geglückt ist. Insgesamt brachten diese zehn Frauen 14 Kinder zur Welt – acht auf natürlichem Wege, sechs mit Hilfe von künstlicher Befruchtung.
Die dänische Studie hat außerdem gezeigt, dass das transplantierte Gewebe nicht bei jeder Frau gleichlange funktionsfähig bleibt. Während es bei manchen Frauen über einen Zeitraum von zehn Jahren hinweg aktiv blieb, waren es bei anderen Frauen lediglich wenige Monate. Das Zeitfenster für eine mögliche Schwangerschaft ist also begrenzt.
Bedenken gab es im Vorfeld jedoch auch: Einige Experten nahmen an, dass das transplantierte Gewebe zu einem höheren Rückfallrisiko führen könnte. Die Studienleiter konnten jedoch Entwarnung geben. Lediglich bei drei der 41 Frauen kam der Krebs zurück. Das ist leider eine normale Quote, die auch ohne Gewebetransplantation zu erwarten gewesen wäre.
Erhaltung der Fruchtbarkeit heute bedeutender als früher
Die Behandlungsmethoden bei Krebs werden dank der modernen Medizin immer effektiver, wodurch den Krebs deutlich mehr Patienten überleben als früher. Während man Frauen in der Vergangenheit dazu geraten hat, die Reproduktionsfähigkeit zugunsten der eigenen Überlebenschance zu opfern, überleben heute so viele Patientinnen den Krebs, dass man versucht, die Fruchtbarkeit ebenfalls zu erhalten.
Welche Methode sollte man wählen?
Wenn man vor der Wahl steht, ob man vor der Chemotherapie unbefruchtete Eizellen oder Gewebe der Eierstöcke einfrieren möchte, so sollte man sich laut Experten für die Eizellen-Methode entscheiden, wenn man genügend Zeit dafür hat und die Chemotherapie nicht umgehend durchgeführt werden muss. Hierbei handelt es sich um eine etablierte Methode, die bereits seit langer Zeit erfolgreich praktiziert wird. Die Gewebetransplantation sei weiterhin experimentell und sollte nur in Notfällen genutzt werden. Der große Vorteil gegenüber der etablierten Methode besteht darin, dass keine zehn bis zwölf Tage zur Vorbehandlung nötig sind.
In Zukunft sind weitere Studien nötig, um den Mehrwert von Gewebetransplantationen zur Bewahrung der Fruchtbarkeit zu bestätigen.
Hinweis: Als Quelle für diesen Artikel diente ein Beitrag von Spiegel.de.